Die Liebe zum Golfball – ohne Happy End

Dem Liebesglück folgt das Drama, ein Kinderwunsch rückt in weiter Ferne

Mit nachdrücklichem Fauchen und Flügelschlagen verteidigte Frida ihre Nester – leider erfolglos. Frida ist eine Pommersche Hausgans, die seit zwei Jahren auf unserem Golfplatz lebt. Von Frühlingsgefühlen beseelt und mit einem feschen Partner, einer Graugans, an ihrer Seite, war der Wunsch, Nachwuchs zu zeugen offensichtlich groß.

Im Frühjahr baute sie zunächst ein Nest zwischen dem Grün der Bahn 13 und dem Teich. Das gelegte Ei war nach wenigen Tagen verschwunden. Einige Wochen später thronte sie auf einem neuen Gelege am Ufer der anderen Seite des Teiches, neben dem Grün der Bahn 16. Zwei Eier und ein Golfball lagen in dem Nest und wurden mit eindrucksvollem Imponiergehabe gegen jeden verteidigt, der ihr zu nahe kam. Überlegungen, wie der Golfball in das Nest gelangte, wird der Fantasie der Leser überlassen.

Wie soll eine Pommersche Hausgans aber wissen, wie und wo in freier Wildbahn ein Nest gebaut wird, ohne dass es Fuchs, Marder oder anderen Nesträubern auffällt? So war auch dieses schlecht getarnte Nest nach wenigen Tagen leer. Nur der Golfball wurde in unmittelbarer Nähe aufgefunden.

Wie Frida auf den Golfplatz kam

Im Frühjahr 2021 hat ein Unbekannter einem auf dem Golfplatz brütenden Paar wilder Kanadagänse wohl zwei Eier von Hausgänsen untergeschoben. So tummelte sich kurze Zeit später die Gänsefamilie mit eigenen Küken und den beiden Kuckuckskindern auf dem Golfplatz.  Die beiden „Stiefküken“ waren in dem Familienverband offensichtlich bestens integriert, glücklich und zufrieden. Eins der fremden Küken entwickelte sich zu einer weißen Hausgans, das andere zu einer Pommerschen Hausgans, die ähnlich aussieht wie eine Graugans.

Das Drama begann mit den ersten Flugversuchen des Familienverbandes. Trotz Nachhilfeunterricht durch die Elterntiere und ehrgeizigem Üben kamen die beiden Kuckuckskinder wegen ihrer zu schweren Körper nicht in die Höhe. Stiefeltern und -geschwister flogen im Herbst gen Süden, die beiden Kuckuckskinder blieben allein zurück.

Im November war plötzlich die weiße Hausgans verschwunden. Ob sie in einem menschlichen oder tierischen Magen landete, ist nicht bekannt. Fridolin, so wurde die verbliebene Pommersche Hausgans genannt, litt deutlich unter der Einsamkeit, denn Gänse sind sehr soziale Tiere. Rasteten mal Wildgänse an dem Teich, suchte er Anschluss, wurde aber nie von ihnen aufgenommen. Fridolin stand stets abseits und blieb ganz offensichtlich ein Außenseiter.

Auch im vergangenen Sommer blieb Fridolin allein. In diesem Frühjahr allerdings stolziert er mit hoch erhobenem Kopf neben einer deutlich kleineren Graugans über den Golfplatz. Spätestens, als er auf den Nestern saß stand fest: Fridolin ist eine Frida. Mann im Haus ist wohl die kleinere Graugans, die offensichtlich Gefallen an der stabilen Frida gefunden hat.

Es bleibt abzuwarten, ob es mit dem Kinderwunsch des ungleichen Paares noch klappt. Spannend wird auch die Entscheidung des Ganters im Herbst: Überwiegt der Wunsch, in südliche Gefilde zu fliegen, oder die Liebe zu unserer Frida?

Text und Bilder: Hans Schmutte, GC Varus e.V., Redaktionsteam

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner